Im Laufe der Zeit teilt man mit etlichen Vierbeinern sein Leben, jeder ist in seiner Art etwas besonderes. Man liebt sie natürlich alle, keine Frage,
aber manchmal ist dann einer dabei, der hat in Deinem Herzen einen Extraplatz. So einer war mein Kater Toby.
Wie Ihr ja vielleicht schon gelesen habt, kam Toby zusammen mit Josy aus einem Frankfurter Tierheim zu mir. Ich hatte schon seit ich denken
konnte Katzen gehabt und war seit ungefähr einem halben Jahr sozusagen Katzenlos. In Glanzzeiten hatte ich sechs Katzen, mein Punky war
von der ganzen Bande übrig geblieben und mit achtzehn Jahren an Altersschwäche gestorben. Jetzt wollte ich es erst mal so probieren. Man hat
ja auch viel mehr Zeit ohne Vierbeiner, man ist nicht gebunden, kann wegbleiben so lange man will, und, und, und, aber.......man hat auch keinen
Spass mehr! Und nachdem ich dann doch für ein halbes Jahr einen Pflegekater aufgenommen hatte, und der wieder zurück zu Frauchen und
Herrchen gezogen war, stand für mich fest, so ganz ohne geht es einfach nicht!
Wie's der Teufel will lag, bei uns im Supermarkt die halbjährliche Ausgabe unseres Tierheims aus, die ich natürlich gleich mit nach Hause nahm.
Beim durchblättern fiel mein Blick auf einen graugetiegerten Kater der zu vermitteln war. Toby hieß er, war ungefähr zwei Jahre alt, etwas schüchtern
und ließ sich nicht gern anfassen. (Das war die Untertreibung des Jahrhunderts, wie sich später heraus stellte!)
Ich ließ mir das Ganze noch mal zwei Tage durch den Kopf gehen, stellte sicher, daß ich jemand hatte, der ihn versorgen würde, falls ich mal nicht
da war. Das natürlich wie immer meine Freundin übernehmen würde, wie die ganzen Jahre davor. Dann rief ich im Tierheim an. Man bestätigte mir,
ja, er wäre noch zu vermitteln. Allerdings wäre er wirklich sehr scheu, er wäre schon mal vermittelt gewesen. Aber man hätte ihn nach zwei Wochen
wieder zurück gebracht, eben weil man ihn nicht anfassen konnte. Er hatte vorher auf einem Friedhof gelebt und sei keine Menschen gewöhnt. Das
konnte mich nicht abschrecken, was sind bitteschön zwei Wochen für einen Kater, der noch nie mit Menschen in Berührung gekommen ist! Und
wahrscheinlich auch keine gute Erfahrungen mit ihnen gemacht hat. Jetzt hatte ich eine Woche Urlaub bei meiner Tante geplant, versprach aber,
mich nach der Woche wieder zu melden.
Kaum angekommen zu Hause nach dieser Woche, rief ich Samstags wieder im Tierheim an. Voller Panik, daß er in der Zwischenzeit doch ein
neues Zuhause gefunden hätte, was natürlich nicht der Fall war. Ja, ich könnte gleich vorbei kommen, was ich mir nicht zwei mal sagen ließ.
Im Tierheim ins Katzengehege geführt, war kein Toby zu sehen. Wir kamen überein, daß sie ihn mir abends bringen würden. Na ja, da ist man
dann im Tierheim, sieht die ganzen Katzen und denkt sich, zwei Katzen sind sowieso besser! Worauf ich dann in einen anderen Raum geführt
wurde in dem die Neuzugänge untergebracht waren. Da sah ich dann die Josy, ungefähr sieben Monate alt, auch von einem Friedhof.
Josy sah
mich, fauchte mich an, und ich sagte, das Fauchiteil nehme ich auch noch, der Altersunterschied ist ja nicht so groß. Die müßten sich ja eigentlich
verstehen. (Ha, ha !) Ich muß dazu sagen, in den ganzen Jahren in denen ich Katzen hatte, haben sich alle verstanden, mal mehr, mal weniger gut.
Wenn's nicht ganz so gut geklappt ha, sind sie sich aus dem Weg gegangen. Aber,- man lernt immer wieder dazu.
Das war also geklärt und ich fuhr wieder heim, am späten Nachmittag kamen zwei Damen vom Tierheim mit meinen neuen Mitbewohnern. Etwas
gestresst sahen die beiden aus. Es hätte etwas gedauert bis sie den Toby hätten einfangen können erzählten sie mir. Im Bad standen die Katzentoiletten
und da wollten sie die beiden aus den Käfigen lassen, damit sie gleich wissen wo die Katzentoilette ist. Ok, gesagt getan, die Türen wurden geöffnet,
die beiden schossen heraus und waren von dem Zeitpunkt an unsichtbar.
Na ja, nicht so schlimm, dachte ich mir. Ich hatte mir extra noch eine Woche Urlaub genommen und würde sie ja irgendwann zu Gesicht bekommen.
In der ganzen Woche in der ich dann zu Hause war, war die einzige Katze die ich ab und zu sah Josy. Sie war auch sehr verschüchtert, aber ich sah
sie wenigstens ab und zu. Anfassen ließ sie sich aber auch nicht. Toby, der lag im Gästezimmer unter der Couch und rührte sich dort nicht von der Stelle.
Ich stellte im Abends sein Futter hin, was er auch nachts irgendwann frass, die Katzentoilette wurde auch von beiden benutzt.
Aber ich hatte ja Zeit. Josy
wurde im Lauf der Wochen zugänglicher, sie konnte man gut mit spielen locken, da drehte sie voll auf. Sonst lag sie in der ersten Zeit unter dem Sofa im
Wohnzimmer, wenn man dann die Polster hoch hob, um einen Blick auf sie zu werfen fauchte und spuckte sie einem bösartig an. Ich glaube nach ungefähr
drei Wochen ließ sie sich von mir das erste Mal streicheln, und von da an mutierte sie zum Mamakind, wie meine Freundin immer sagte.
Toby dagegen lag wochenlang unter der Couch und kam überhaupt nicht zum Vorschein. Ich sprach trotzdem mit ihm, legte mich vor die Couch und erzählte
ihm was für ein toller Kater er wäre, daß er keine Angst zu haben bräuchte, was man halt so erzählt, wenn man ins Leere spricht. Mir war aber schon klar,
daß er Nachts, wenn ich schlief oder wenn ich tagsüber auf der Arbeit war die Wohnung erkundete.
Irgendwann, es war über einen Monat vergangen, spät abends, ich saß vorm Fernseher, sah ich ihn plötzlich auf der Türschwelle sitze und mich ansehen.
"Hallo, Toby." sagte ich. Ich hatte das "Hallo" noch nicht ganz ausgesprochen, da war er schon wieder verschwunden, das war auf jeden Fall zuviel für ihn
gewesen. Am nächsten Abend um die gleiche Zeit saß er wieder da. Aber diesmal hielt ich wohlweislich meinen Mund. Es war ja das erste Mal, daß ich
ihn überhaupt sah, und er war ein richtiges Knuddelmonster. Das ging so ein paar Abende lang, zu dieser Zeit kam ich immer ziemlich spät ins Bett,
weil er meistens erst so gegen elf Uhr auftauchte.
Bewegen durfte man sich übrigens auch nicht ,
da machte er auch gleich wieder kehrt. Josy muß er tagsüber auch ganz schön gescheucht haben, das zu dem Thema, "die vertragen sich bestimmt,"
denn sobald Josy von irgendwo abends angeschossen kam und sich vorsichtshalber zu mir setzte , wußte ich, jetzt kommt Toby gleich. Und dann
dauerte es auch nicht lang und er saß auf die Türschwelle.
Jetzt wollte meine Freundin diesen Kater natürlich endlich auch mal sehen. Wir saßen zusammen im Zimmer und harrten der Dinge die da kommen sollten,
wer natürlich nicht erschien war Toby. Irgend wann als sie wieder mal bei mir war und gerade aufstehen wollte um zu gehen, sah ich ihn. Leise flüsterte ich
"Da ist er, beweg dich nicht!"
Worauf sie augenblicklich zur Salzsäule erstarrte, in einer äußerst unglücklichen Position, absolut unbequem, aber sie rührte sich nicht. Unglücklicherweise
saß sie diesmal seitlich zur Tür und konnte ihn deswegen nicht sehen. "Vielleicht klappt es , wenn du deinen Kopf drehst, aber ganz langsam." flüsterte ich
ihr zu. Was sie dann auch tat. Toby saß wie immer auf der Türschwelle und beobachtete uns, bereit bei der kleinsten Bewegung oder beim kleinsten Geräusch
sofort das Weite zu suchen.
So saßen wir dann, ich wesentlich bequemer, bis er wieder verschwand. Meine Freundin, gehörig verkrampft und mit einer
kleinen Genickstarre war aber trotzdem begeistert, daß sie diesen "Bär" wie sie sagte, endlich mal gesehen hatte.
Langsam , langsam machte Toby Fortschritte, irgendwann traute er sich auch zu mir ins Zimmer, dann mußte aber alles im Zeitlupentempo passieren,
wenn ich mich bewegte. Aufstehen durfte ich gar nicht, da war er gleich weg. Irgendwann nach Wochen, wachte ich Nachts auf und merkte, daß etwas
an meinen Füßen lag. Josy lag neben meinem Kopf. Also mußte es Toby sein, ich konnte es nicht fassen, aber er hatte gemerkt, daß ich wach war und
sprang vom Bett. Er kam jetzt auch immer früher aus seinem Versteck zu mir ins Zimmer, setzte sich auf die Fensterbank, oder auf einen Tisch der etwas
entfernt von mir stand. Mittlerweile konnte ich auch aufstehen, langsam natürlich, und in die Küche oder in ein anderes Zimmer gehen, da blieb er schon
liegen, hatte mich aber immer im Auge.
Dann kam der Tag, nach Monaten, wo er sich neben mich auf die Couch setzte, in einiger Entfernung, aber immerhin.
Was hätte ich ihn so gern mal geknuddelt, aber da waren wir noch weit davon entfernt. Eines Abends kam ich heim und auf dem Teppich lagen büschelweise
Katzenhaare. Von Josy waren die nicht, ich konnte mir keinen Reim darauf machen, erst als Toby abends auftaucht, sich mitten auf denTeppich setzte und
anfing sich zu putzen, wußte ich wo die Haare her kamen. Er riß sich büschelweise schmutziges Fell aus.
Aber für ihn war wohl Großreinemachen angesagt
und er bekam ein richtiges schönes Fell. Nach ein paar Tagen hörte das auch wieder auf und ich hatte plötzlich einen bildschönen Kater. Im Laufe der Monate
wurde er immer mutiger, fraß jetzt auch in der Küche und ich konnte mich wieder normal bewegen und in normaler Lautstärke mit ihm sprechen. Aber nicht
anfassen, um Gottes Willen!
Nach etwas über sechs Monaten, ich seh's heute noch vor mir, als wäre es gestern gewesen, komme ich abends heim, mach die Katzendosen auf um die
zwei zu füttern, da streicht mir was um die Beine, ich seh runter, es ist Toby der sich da an mir schuppert und Futter einfordert. Ich konnte es nicht glauben
und strich ihm mal kurz über den Schwanz, was er sich auch gefallen ließ. Von da an wurde er immer zutraulicher, wenn er auf der Couch lag konnte ich ihn
auch streicheln, er stand immer parat, wenn's an's Füttern ging und schlief regelmäßig im Bett am Fußende.
So, jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo ich ihn endlich mal meinem Tierarzt vorstellen konnte. Ich wollte ihn mal richtig untersuchen lassen, weil er seit er bei
mir war nur Durchfall hatte. Das einfangen klappte ganz gut, auch das in den Korb stecken, damit hatte er nicht gerechnet. Beim Tierartzt dagegen führte er sich
auf wie ein Löwe, an eine Untersuchung war überhaupt nicht zu denken. Er mußte in Narkose gelegt werden. Da stellte sich dann heraus, daß er fast gar keine
Zähne mehr hatte und die paar die er noch besaß total vereitert waren. Der arme Kerl.
Also, raus damit, ein bißchen Blut bekam er noch abgezapft, wurde noch
mal richtig untersucht und dann konnten wir wieder nach Hause. Jetzt hatte ich natürlich meine Bedenken, jetzt war er gerade soweit und hatte Vertrauen gefaßt
und ich mach ihm den totalen Stress, aber irgendwann mußte das einfach sein. Aber er hat es mir nicht übel genommen, am gleichen Abend noch kam er wie
immer zu mir auf die Couch und ließ sich auch streicheln. Von da an hatte er auch keinen Durchfall mehr, sein Blutbild war ok, allerdings meinte die Ärztin, er
wäre auf jeden Fall ein älteres Modell und nicht erst zwei Jahre alt, was mich und auch Toby ganz bestimmt nicht gestört hat.
Dann kam nach ungefähr zwei Jahren unser Umzug hier in die Wetterau. Ein bißchen bange war ich schon, meine zwei waren ja bis jetzt Wohnungskatzen
gewesen, hier hätte ich sie natürlich gern ins Freie gelassen, wobei ich mir bei Toby mehr Gedanken machte. Er war früher immer im Freien gewesen, war
nie mit Menschen in Berührung gekommen, was ist, wenn ich ihn rauslasse und er verschwindet auf nimmer wiedersehen ? Bei Josy, dem Mamakind, machte
ich mir nicht so viel Gedanken. Aber ich ließ die zwei sowieso erst mal im Haus.
Nach sechs Wochen glaube ich, habe ich Josy das erste mal raus gelassen.
Bei Toby habe ich ungefähr noch zwei Wochen gewartet. Und auch an einem schönen Sonntagmorgen habe ich ihm die Terassentür aufgemacht und gesagt,
na lauf. Draussen war er und ab in den Park, ich bin nicht hinter ihm her wie bei Josy, einfangen hätte der sich sowieso nicht lassen, nein, ich bin zurück in
die Küche und habe gespült. Und wer streicht nach ungefähr einer halben Stunde um meine Beine: Toby! Na, da sind mir tausend Steine vom Herzen gefallen !
Toby war überhaupt kein Streuner, aber er war glücklich draussen, auch wenn er die meiste Zeit nur auf dem Stuhl auf der Terrasse gelegen hat, bei jedem
Wetter, auch wenn's dann im Herbst manchmal ganz schön kalt wurde. Das war einfach sein Platz. Leider konnte er nur knapp zwei Jahre seine Freiheit hier
geniessen, ich mußte ihn wegen Nierenversagen einschläfern lassen. Ich konnte es nicht fassen damals, warum, habe ich immer wieder gedacht, warum
waren ihm nicht noch ein paar schöne Jahre vergönnt gewesen, mit regelmäßigem Futter und einem schönen Zuhause. Ich hätte es ihm so gegönnt. Es war
eine schlimme Zeit für mich damals, es hat lange gedauert bis ich mich einigermaßen davon erholt hatte.